Dann mal medias in res: Ich war vorgestern und gestern nach langer Zeit mal wieder auf „schwulen Szeneparties“ (tolles Wort, oder?! :-D ) weil ich dachte, das müßte sein. Es war jedoch eher frustrierend – man gibt ne Menge Geld aus, die Musik ist mäßig, am nächsten Tag hat man nen Kater, und man bekommt die spezifische Dynamik in Bezug auf mögliche Partnerschaftsobjekte bei schwulen Männern mit und auch ab (nähere Erläuterung siehe unten). Seltsam ist, dass ich schon öfter bei mir beobachten konnte, dass ich bei diesen Parties in eine melancholische Stimmung verfalle und sich eine bestimmte Frage aus der Liturgie der Diakonenweihe in meinem Kopf breit macht: „Seid ihr bereit, aus dem Geist der Innerlichkeit zu leben, Männer des Gebetes zu werden…?“ (vgl. Römisches Pontifikale, Weihe der Diakone). Die Frage ist, was dahinter steckt – ein Komplex aus dem religiösen Überbau/Über-Ich – oder die göttliche Gnade, die in der Art, wie es für Gott – so er existieren sollte – typisch ist, auf die wahre „vita abundantia“, von der Joh 10,10 spricht, hinweisen will? Sollte Ignatius mit seinem Unterscheidungskriterium für das, was von Gott kommt, nämlich „Trost und Misstrost“, recht haben? Aber man weiß es eben nicht…

Doch nun zur o.g. „spezifischen Dynamik“: Die besteht darin, dass Leute, die miteinander befreundet sind („Clique“), gleichzeitig untereinander potentielle Beziehungs – (oder auch nur Affären-)Partner, Freunde UND Nebenbuhler sind. So eine Situation hatte ich gestern dann schon zum zweiten Mal: Ich hatte mich vor der Party mit jemandem getroffen („Date“), den ich auch sehr ansprechend fand (Matthias), und bin mit dem dann zu der Party gegangen. Dort war ein gemeinsamer Bekannter (Markus) von ihm und mir auch, und im Laufe des Abends hat mir der Matthias dann erzählt, dass er an näherem Kontakt zu dem Markus interessiert sei, und wollte von mir wissen, wie man denn am besten an ihn heran käme, da ich ihn schon länger kenne. Das war natürlich nicht das, was ich hören wollte…
:-/
Die zweite Situation dieser Art ist noch etwas schwieriger: Ich bin schon seit längerem mit Martin befreundet, und muß zugeben, dass ich latent in ihn verknallt bin (das heißt, dass ich nur die kognitive Gefühlsbremse lösen müßte, und dann wäre es akut). Und dem Martin geht’s so ähnlich mit einem gemeinsamen Freund von ihm und mir (Thorsten), der – soweit ich das überblicke – allerdings weder für ihn noch für mich entsprechende Gefühle hegt. Dennoch hatten Thorsten und ich schon ein paar mal intimeren Kontakt, was Martin auch weiß und worüber er natürlich nicht glücklich ist, denn wenigstens den hätte er mit Thorsten auch gerne, aber der wohl nicht mit ihm. Ach ja, und zwischen Martin und mir läuft auch in unregelmäßigen Abständen was…
;-)
Naja, solche Konstellationen gibt es bei Heteros eben nicht, was die ganze Beziehungskiste doch etwas vereinfachen dürfte…

Ja, doctorsubtilis hat eben auch seine menschlich-allzumenschliche Seite…

Anmerkung1: Namen teilweise geändert
Anmerkung2: Die Formulierung der Überschrift lehnt sich an mein absolutes Lieblingscomputerspiel „You don’t know jack“ an, was insofern auch zum Inhalt passt, als dass ich es mit Martin sehr gerne spiele…! („…wo Hochkultur und Popkultur zusammenkommen…“)

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