Tja, so fast can it go: Im letzten Beitrag habe ich noch geschrieben, dass Thorsten an Martin kein Interesse hätte. Das hat sich jetzt offenbar geändert. Aber der Reihe nach: Gestern war ich eigentlich mit einem sehr sympathischen jungen Mann verabredet, man kann es ruhig wieder „Date“ nennen, wenn man will. Jedoch erhielt ich am Nachmittag eine Nachricht von Martin, dass wir uns möglichst bald ttreffen sollten, es sei wichtig und er bräuchte meine Hilfe. Also habe ich das Treffen mit dem o.g. junge Mann abgesagt und bin Abends dann stattdessen zu Martin, der am Telefon auch noch meinte, „Wenn Du was mitbringen möchtest, gerne“ – mit anderen Worten, den Alkohol habe ich wieder finanziert… :-D Aber wenn man latent verknallt ist (vgl. letzter Beitrag), macht man so etwas eben gerne… :-/

Das „dringende Problem“, das er mit mir besprechen wollte, betraf lediglich die Frage, wie lange es dauert, bis ein Reisepass ab Antragstellung ausgestellt wird und was es da für unterschiedliche Möglichkeiten gibt. Dafür war ich in der Tat der richtige Ansprechpartner, da ich im Rahmen meiner bisherigen atemberaubenden Karriere bei der Stadtverwaltung auch schon mal in der Passausgabe im Bürgeramt gearbeitet habe. Martin hatte die Möglichkeit erhalten, im Rahmen einer Hochschulpartnerschaft Mitte November nach Südkorea zu fliegen – jedenfalls reicht eine Antragstellung jetzt bis dahin zeitlich auf jeden Fall, um den normalen Reisepass noch rechtzeitig zu bekommen.
Im Verlauf des weiteren Abends hat Martin mir dann erzählt, dass Thorsten seine Meinung/Gefühle in bezug auf ihn in der letzten Woche wohl ziemlich geändert hat – langer Rede, kurzer Sinn – die beiden sind jetzt so gut wie zusammen. Und ich habe in dem Moment gemerkt, dass wohl irgend jemand die kognitive Gefühlsbremse in bezug auf Martin bei mir zwischendurch still und heimlich gelöst haben mußte – jedenfalls hat mich diese Nachricht sehr getroffen.
Ich habe dann trotzdem noch bei ihm übernachtet, aber Zärtlichkeiten gab’s keine mehr… :’-(

Und mit Thorsten – der von meinen Gefühlen Martin gegenüber nichts weiß – gehe ich heute Abend laufen. Bin ja mal gespannt, wie DAS wird und v.a., ob er irgenbd etwas zu diesem Thema erzählt.

Dann mal medias in res: Ich war vorgestern und gestern nach langer Zeit mal wieder auf „schwulen Szeneparties“ (tolles Wort, oder?! :-D ) weil ich dachte, das müßte sein. Es war jedoch eher frustrierend – man gibt ne Menge Geld aus, die Musik ist mäßig, am nächsten Tag hat man nen Kater, und man bekommt die spezifische Dynamik in Bezug auf mögliche Partnerschaftsobjekte bei schwulen Männern mit und auch ab (nähere Erläuterung siehe unten). Seltsam ist, dass ich schon öfter bei mir beobachten konnte, dass ich bei diesen Parties in eine melancholische Stimmung verfalle und sich eine bestimmte Frage aus der Liturgie der Diakonenweihe in meinem Kopf breit macht: „Seid ihr bereit, aus dem Geist der Innerlichkeit zu leben, Männer des Gebetes zu werden…?“ (vgl. Römisches Pontifikale, Weihe der Diakone). Die Frage ist, was dahinter steckt – ein Komplex aus dem religiösen Überbau/Über-Ich – oder die göttliche Gnade, die in der Art, wie es für Gott – so er existieren sollte – typisch ist, auf die wahre „vita abundantia“, von der Joh 10,10 spricht, hinweisen will? Sollte Ignatius mit seinem Unterscheidungskriterium für das, was von Gott kommt, nämlich „Trost und Misstrost“, recht haben? Aber man weiß es eben nicht…

Doch nun zur o.g. „spezifischen Dynamik“: Die besteht darin, dass Leute, die miteinander befreundet sind („Clique“), gleichzeitig untereinander potentielle Beziehungs – (oder auch nur Affären-)Partner, Freunde UND Nebenbuhler sind. So eine Situation hatte ich gestern dann schon zum zweiten Mal: Ich hatte mich vor der Party mit jemandem getroffen („Date“), den ich auch sehr ansprechend fand (Matthias), und bin mit dem dann zu der Party gegangen. Dort war ein gemeinsamer Bekannter (Markus) von ihm und mir auch, und im Laufe des Abends hat mir der Matthias dann erzählt, dass er an näherem Kontakt zu dem Markus interessiert sei, und wollte von mir wissen, wie man denn am besten an ihn heran käme, da ich ihn schon länger kenne. Das war natürlich nicht das, was ich hören wollte…
:-/
Die zweite Situation dieser Art ist noch etwas schwieriger: Ich bin schon seit längerem mit Martin befreundet, und muß zugeben, dass ich latent in ihn verknallt bin (das heißt, dass ich nur die kognitive Gefühlsbremse lösen müßte, und dann wäre es akut). Und dem Martin geht’s so ähnlich mit einem gemeinsamen Freund von ihm und mir (Thorsten), der – soweit ich das überblicke – allerdings weder für ihn noch für mich entsprechende Gefühle hegt. Dennoch hatten Thorsten und ich schon ein paar mal intimeren Kontakt, was Martin auch weiß und worüber er natürlich nicht glücklich ist, denn wenigstens den hätte er mit Thorsten auch gerne, aber der wohl nicht mit ihm. Ach ja, und zwischen Martin und mir läuft auch in unregelmäßigen Abständen was…
;-)
Naja, solche Konstellationen gibt es bei Heteros eben nicht, was die ganze Beziehungskiste doch etwas vereinfachen dürfte…

Ja, doctorsubtilis hat eben auch seine menschlich-allzumenschliche Seite…

Anmerkung1: Namen teilweise geändert
Anmerkung2: Die Formulierung der Überschrift lehnt sich an mein absolutes Lieblingscomputerspiel „You don’t know jack“ an, was insofern auch zum Inhalt passt, als dass ich es mit Martin sehr gerne spiele…! („…wo Hochkultur und Popkultur zusammenkommen…“)