HuK
9. August 2008
Diese Abkürzung steht nicht nur für eine bekannte Versicherungsgesellschaft, sondern auch für “Homosexuelle und Kirche”, ein ökumenisch orientierter Verein, der sich für die Rechte von Homosexuellen in den Kirchen einsetzt.
Je nach Ausrichtung der jeweiligen Kirche sind Homosexuelle ja eine mehr oder weniger marginalisierte Gruppe. Jedenfalls in den offiziellen Stellungnahmen. Unlängst wurde die katholische Kirche jedoch als “die größte transnationale Schwulenorganisation” bezeichnet (Interview des SPIEGEL mit P. Hermann Kügler SJ) – meiner Erfahrung nach sicher nicht zu unrecht. Es gibt eine riesige Diastase zwischen der offiziellen Doktrin einerseits und dem Anteil derjenigen, die homosexuell sind, dies auch “ausleben” und in dieser oder jener Form in der Kirche mitarbeiten andererseits. Man besuche nur einmal die Libori-Feierlichkeiten in Paderborn – diese wurden mir gegenüber schon öfter als “kirchlicher CSD” bezeichnet [CSD = Christopher-Street-Day]. Das heißt, dass dort Priester und andere kirchennahe Schwule recht offen mit ihrer Orientierung umgehen (Styling, Gestik, oft in Begleitung des jeweiligen Lebenspartners etc.). Gleichzeitig ist alles umrahmt von einem prunkvollen liturgischen Zeremoniell, welches die Herzen von für Ästhetik ja oft recht sensiblen Schwulen höher schlagen läßt, und von einem Volksfest mit entsprechend großzügigem Alkoholkonsum.
Ich selber weiß auch von genug homosexuellen Priestern, wobei nicht wenige ihre Sexualität auch leben – ich stelle mir immer mal wieder vor, wie Oma Meyer reagieren würden, wenn sie wüßte, dass der Hochwürdige Herr Zelebrant der Sonntagsmesse am Abend vorher noch tiefgekühlte Cocktailtomaten in den Allerwertesten geschoben bekommen hat (das Beispiel habe ich nicht erfunden!). Wobei gelebte Sexualität sicher auch bei heterosexuellen Priestern (ja, auch solche gibt es noch) vorkommt. Nur – da ist eben der Graben zwischen kirchlicher Lehre und dem, was im kirchlichen Leben faktisch vorkommt, nicht so “garstig breit”.
Aber nicht nur bei Priestern ist die Homosexuellen-Rate signifikant erhöht – ähnlich ist es z.B. bei Organisten und Küstern…
Das ist jetzt alles nicht als “erhobener Zeigefinger” oder als blanker Zynismus gemeint – “wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche”, Hebr 4,15 – eher vielleicht als Ausdruck der Ratlosigkeit, was dieses Phänomen bedeutet und wie damit am besten umzugehen ist…wobei es mir tatsächlich nicht so leicht fällt, den Zynismus draußen zu lassen…
- Bei Gelegenheit mehr zu diesem Thema -
9. August 2008 um 9:25
krasse Sache….aber ich habs mir selber schon öfters so gedacht, auch , wenn ich selbst evangelich und ganz normal hetero bin.
20. August 2008 um 6:48
Mir fällt dazu eigentlich nur ein, dass die katholische Kirche schon seit ich zurück denken kann, kritische Denker und aktive Reformer (Martin Luther) aufs Schärfste verurteilt (Galileo Galilei wurde erst vor kurzem rehabilitiert) und falls kein “revocare” erfolgt, auch rauswirft (Hans Küng, Eugen Drewermann, Uta Ranke-Heinemann..) – statt dessen sollte sie lieber mal ihre pädophilen und perversen Priester aus dem Amt entfernen und gleichzeitig auch den unsäglich viel Leid verursachenden Zölibat ersatzlos abschaffen. Wenn keine Änderung erfolgt, sehe ich für die katholische Kirche in ZUkunft dunkle Zeiten.